Newsletter 10 – Arbeitsmarktpolitik

„Innovative Konzepte sollen gemeinsam diskutiert und umgesetzt werden“

Bereits in den Newslettern zuvor habe ich mehrfach aufgezeigt, wie ich die Wirtschaftspolitik attraktiver gestalten möchte. Zum einen bringt der Tausch "weniger Steuern, aber auch weniger Beiträge" einen automatischen Bürokratieabbau mit sich, zum anderen verleiht er den Unternehmen einen größeren Gestaltungsspielraum bei Investitionen und Innovationen. Gleichzeitig muss sich die öffentliche Hand aus bestimmten Wirtschaftsbereichen, wo sie bisher selbst Unternehmer gespielt hat, zurückziehen. Mehr Freiraum für die Privatinitiative erhöht die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen und schafft wiederum neue Arbeitsplätze. Gleichzeitig haben Unternehmen die Möglichkeit, sich zu internationalisieren und ihre Aktivitäten auszubauen.

Für Unternehmen ist es wichtig, motivierte Mitarbeiter zu finden; sie sind die Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg. Deshalb sollen diese Veränderungsprozesse auch als partizipative Prozesse gestaltet werden. Die Schaffung qualifizierter Arbeitsplätze, vom Dienstleistungsbereich über die Forschung bis zu den praktischen Berufen, ist wichtig, denn viele gut ausgebildete Südtirolerinnen und Südtiroler gehen ins Ausland und kommen nicht mehr zurück, da hier entsprechende Angebote fehlen. Unsere Wirtschaftsstruktur kennend, sehe ich zum Beispiel großes Potential in unserem Handwerk. Eine Fachhochschule für handwerkliche Berufe wäre mehr als gerechtfertigt.

Vor allem in den letzten Wochen und Monaten wurde uns bewusst, was es bedeutet, wenn Arbeitsplätze in Gefahr sind und viele Menschen nur mehr Zeitverträge erhalten. Hier ist genau hinzuschauen und ein Gleichgewicht zwischen Dynamik, die jede Gesellschaft braucht, und Perspektiven für eine möglichst sichere Lebensplanung zu finden. Dazu bedarf es des Zusammenspiels der Sozialpartner. Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssen in dieselbe Richtung schauen. Denkbar sind z.B. auch Generationenvertragsmodelle, wie sie bereits in der Lombardei angewendet werden. Auf staatlicher Ebene wird man sich, was den Kündigungsschutz betrifft, endlich europäischen Standards anpassen müssen; im Gegenzug können Unternehmen mit Sicherheit wieder einfacher und damit mehr Mitarbeiter/innen einstellen.

Mehr Nettolohn muss auch wieder auf dem Lohnzettel stehen. Zudem sollte auf kostenneutralem Weg versucht werden, neue Wege in der Lohnentwicklung zu gehen. Kurz vor der Rente werden die höchsten Löhne bezahlt. Warum kann das Lohnniveau nicht in jungen Jahren angehoben werden, wenn die Familie gegründet wird? Dazu gibt es bereits innovative Konzepte, sie müssen gemeinsam diskutiert und umgesetzt werden. 

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Entbürokratisierung und Deregulierung. Ich stelle mir oft die Frage, warum es zum Beispiel nicht mehr möglich ist, dass Jugendliche im Sommer bereits einer Arbeit nachgehen bzw. im elterlichen Betrieb arbeiten können wie früher? Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie lehrreich das sein kann. Hier sollte man gemeinsam mit den Vertretern in Rom eine Lösung finden.